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Kunstgenuss im virtuellen Kunsthaus
… und hoffentlich in Zukunft im realen Kunsthaus am Eichplatz

Herzlich willkommen zum Jenaer Kunsthausfrühling im virtuellen Kunsthaus.


Kerstin Grimm: Kinderspiele, 2008 (Zeichnungscollage aus Papier, 100 x200cm, Kunstsammlung Jena)

 

Hören Sie hier unseren (unten stehenden) Text zum Bild:

Kinderspiele  2008

Kerstin Grimm

 

Ich bin Kerstin Undeutsch und möchte Sie einladen.

Bitte setzen Sie sich zu mir und betrachten Sie dieses Bild.

Hier wird etwas erzählt. Aber es gibt keine Geschichte.

Gedanken fliegen und werden eingeholt und –umgedreht.

Abstrakt geht mit Figürlich spazieren.

Kontraste und spielerische Verwaschungen treffen sich. Schere und Stift scheinen einander zu begegnen.

Schon das Handwerk lässt meine Augen größer werden!

 

Geht ihnen das auch so? Wir schauen auf das Bild und schon rutscht der Blick in die rechte obere Ecke. Ich sehe ein Stück vom Himmel, schwarz mit weißen Wolken. Was sehen Sie? Das Meer? Mit Lichtpunkten auf dem Wasser? Einen Strand? Steine? Ufos? Schokoladenplätzchen und Eierkuchen?

Schatten entstehen. Sie teilen das Bild, beschwören eine Räumlichkeit herauf, die gar keine ist. – oder doch?

Das Bild ist surreal im besten Sinne. Es konfrontiert die Betrachtenden mit der Macht des   Unterbewussten, mit der Urkraft der Träume. Ist das so?

Also, da ist dieses Kind – nein, eine Puppe.

Nein – ein kleines Mädchen.

 

Das Kind trägt ein rotes Band als Fußfessel. Das Band windet sich an ihrem linken Bein empor, umklammert die Gelenke.

Unmöglich, dieses Bein zu bewegen. Unmöglich zu rennen, zu hüpfen, zu springen. Unmöglich, sich wie ein unbeschwertes Kind zu verhalten.

Haben Sie die spanischen Kinder gesehen die nach 42 Tagen häuslicher Quarantäne endlich für eine Stunde ihre Wohnung verlassen durften?

Ich schweife ab.

 

In der Volksmagie vergangener Zeiten versuchte man mit roten Bändern und Wollfäden Krankheiten weg zu zaubern. Für den „Bindezauber“ wurden die roten Fäden um den kranken Arm, das kranke Bein gebunden. Die Kraft des Roten sollte die Krankheit bannen. Rote Fäden sollten sogar Pflanzen vor Ungeziefer schützen: auch Weinstöcke wurden damit umwunden.

Rote Bänder an der Babykleidung finden wir auf alten Gemälden. Suchen Sie mal danach.

Am Handgelenk des Mädchens erkenne ich ein weiteres rotes Band. Es baumelt locker.

Will es damit den Hund locken? Will es spielen?

Ich zucke zusammen und spüre, was mich verstört, was mich hin – und weg-schauen lässt.

Weiß dieses Kind, wie schnell aus Spiel Ernst werden kann? Seinem Gesicht fehlt das unschuldig Kleinkindhafte. Verdrehter Kopf. Wissender Blick.

 

Und das Tier? Liegt da, wie eine Beschützerin.

Eine Mischung aus Hund, Sphinx, Mensch.

Ein Fabelwesen. Ein zweites Tier am Wegesrand. Es beruhigt mich, dass die beiden da sind.

 

Aber was macht die Frau im grünen Mantel mit schwarzem Stiefel und riesigem dunklen Hut? Ist es eine Frau im grünen Mantel mit schwarzem Stiefel und riesigem dunklen Hut?

Grün ist beruhigend, die Farbe des pflanzlichen Lebens, aber irgendwas zwischen Hoffnung und Gift.

Wer ist diese Frau? Eine unbeteiligte Passantin? Eine heimliche Beobachterin? Wartet sie? Geht sie vorbei?

 

Wie unheimlich! Wie faszinierend!

Wie unheimlich faszinierend!

 

Die Zeichnerin und Bildhauerin, Künstlerin und Lehrende Kerstin Grimm lebt in Berlin.

 „Kinderspiele“ ist ein Werkzyklus großformatiger Zeichnungscollagen, die in jahrelanger Arbeit entstanden sind.

Ich zitiere Wikipedia:

„Grimm zeichnet mit klassischen Zeichenmaterialien wie Tusche, Kohle, Kreide und Aquarellfarben auf Transparentpapier und leimt später die Fragmente verschiedener Zeichnungen, wie zum Beispiel Kinder, Tiere und Fabelwesen mit Landschafts – und Raum – elementen zu einem vielschichtigen Bild zusammen.“

 

Heute ist der 10. Mai und Ich gratuliere Kerstin Grimm herzlich zum Geburtstag. Alles Gute und vor allem Gute Gesundheit.

 

Danke, fürs Mitbetrachten und in der Hoffnung, auch dieses Bild im Kunsthaus Jena im Original sehen zu können verabschiedet sich Kerstin Undeutsch

KREATIVBOX

Hier sind einige Anregungen für Collagen.

Mit Papier, das aus Werbezeitungen ausgeschnitten wurde, lassen sich Möbel verwandeln.
Und aus Urgroßmutters Handtasche kann eine Apfel-Tasche werden!

1 Kommentar

  1. Ida Vetterli sagt:

    Sehr bereichernder Text wie auch feiner Kreativbox

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