Prioritäten in Jena | Kommentar

Ausstellung in der Stadtkirche
25. November 2020
Einwohnerantrag | Übergabe
27. Januar 2021

Leserbrief zum Artikel „Die neue Prioritätenliste“
(TLZ Di.,19.01. 2021)

Kunsthaus von Prioritätenliste gestrichen?

 

Die Baukräne drehen sich im Abendrot vor der Jenaer Innenstadtkulisse. Ein Parkhaus entsteht am Rande des Inselplatzcampus. Ja, das braucht Jena dringend, wenn die Parkmöglichkeiten auf dem Eichplatz wegfallen. Allerdings haben sich die Kosten für das gute Stück innerhalb von zweieinhalb Jahren für jeden der 431 Stellplätze mehr als verdoppelt. Hat da jemand nicht richtig gerechnet? Nicht mal bei einer groben Überschlagsrechnung würde das im Toleranzbereich liegen. Wenn das neue Rechenzentrum der Universität dann neben dem edlen Parkhaus steht, werden solche Berechnungsfehler hoffentlich nicht mehr passieren.

Natürlich fehlen diese 7,6Mio. Euro Mehrkosten für andere Bauvorhaben, die geduldig auf der Prioritätenliste der Verwaltung ausharren. Von Gewinnern und Verlieren ist im Zeitungsbericht die Rede. Lüftungsanlagen für öffentliche Gebäude und Radwege, Kanalanlagen und Straßensanierungsmaßnahmen, dagegen hat sicher niemand etwas einzuwenden. Doch dass das Kunsthaus nun vom leidigen Platz 79 ganz von der Prioritätenliste verschwunden ist, das ist erstmal bitter zu lesen für die Kunstfreunde dieser Stadt, besonders für uns, den Förderverein „Ein Kunsthaus für Jena e.V.“.

Einen Tag vor der Veröffentlichung dieses Artikels haben wir den Einwohnerantrag für ein Kunsthaus auf dem Eichplatz an Christian Gerlitz übergeben, stellvertretender OB und Dezernent für Stadtentwicklung. Mit den Worten „Auch mir liegt ein öffentliches Gebäude für alle Bürger Jenas auf dem Eichplatz am Herzen.“ hat er unseren Einwohnerantrag entgegengenommen. „ Das geht jetzt seinen amtlichen Gang“, versicherte er uns.

Ist das nun der Todesstoß für unser Kunsthaus oder ein hoffnungsvoller Beginn? Nein, wir sind nicht aus der Sparte der Naiven Kunst, wir haben nie wirklich geglaubt, dass Jena ausschließlich aus eigenen Mitteln für seine Bürger ein modernes Kunsthaus bauen könnte. Und wir sind auch nicht so naiv und blauäugig, dass wir die derzeitige Situation, in der dem Kulturbereich in Jena der Gürtel immer enger geschnallt werden soll, ausblenden und gerade jetzt diesen Einwohnerantrag in die Diskussion bringen.

Unser Antrag ist auf die Zukunft gerichtet, denn wir wollen, dass auf dem verbleibenden Baufeld B ein Grundstück für den Bau eines öffentlichen Gebäudes durch einen Stadtratsbeschluss gesichert wird. Diese Willensbekundung muss jetzt passieren, denn trotz Corona gehen die Eichplatzplanungen weiter und da braucht es eine Entscheidung vom Stadtrat, der die Interessenvielfalt der Bürgerinnen und Bürger der Stadt repräsentiert.

Wenn Jena per Stadtratsbeschluss einen Bauplatz für ein öffentliches Gebäude sichert, dann wird man auch einen Investor finden, der dort ein Kunsthaus baut. Dann ist es nicht schmerzlich, dass das Kunsthaus von der Prioritätenliste verschwunden ist, denn ein solches Projekt ist zwischen Lüftungsanlage, Brandschutzmaßnahmen, Parkplätzen und ähnlichen

Infrastruktureinheiten nie gut platziert gewesen. Wir sehen uns nicht als Verlierer, denn uns trägt die Hoffnung der biblischen Redewendung: Die Letzten sollen die Ersten sein.

Kunst und Kultur muss langfristig wieder zum Aufblühen verholfen werden und da gibt es keinen besseren Ort als ein Kunsthaus neben dem neuen Stadtgarten am Eichplatz.

In diesem Sinne hoffen wir für unseren Einwohnerantrag auf eine gründliche Debatte in den Gremien des Stadtrates und eine Entscheidung mit Weitsicht.

Heidrun Schrade

Vorsitzende des Fördervereins „Ein KUNSTHAUS für JENA e. V.“

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