KunsthausFrühling n°3

KunsthausFrühling n°2
10. April 2020
KunsthausFrühling n°4
25. April 2020

Kunstgenuss im virtuellen Kunsthaus
… und hoffentlich in Zukunft im realen Kunsthaus am Eichplatz

Herzlich willkommen zum Jenaer Kunsthausfrühling im virtuellen Kunsthaus.

Patricia Waller: Feuerlöscher (Wolle, Draht, Styropor, 2001, Kunstsammlung Jena)

Hören Sie hier den (unten stehenden) Text zum Bild:

In der dritten Folge unseres Kunsthausfrühlings möchte ich Ihnen einen Feuerlöscher vorstellen, der sich im Besitz der Kunstsammlung Jena befindet. Nun ja, dort in den Depots, in denen die mehr als 8000 Werke unserer Sammlung lagern, gibt es sicher etliche Feuerlöscher, dazu Brandmeldeeinrichtungen,  Alarmanlagen und ähnliches. Doch seit wann widmet man diesen technischen Ausrüstungsgegenständen eines Depots oder eines Ausstellungraums so viel Aufmerksamkeit?

Dieser Feuerlöscher ist etwas ganz Besonderes, mindestens so besonders wie die Künstlerin Patricia Waller, die ihn geschaffen hat. Patricia Waller hat Bildhauerei studiert, doch nachdem sie es in dieser Männerdomäne leid war, sich mit schweren Gipssäcken abzuschleppen, besann sie sich auf ein weiches, feminines Material, aus dem sie Ihre Kunstobjekte gestaltet. Mit Häkelnadel und Wolle nähert sie sich den Themen des Alltags und schärft unseren Blick für die selbstverständlichen Dinge.

Unser Feuerlöscher ist also eine Häkelarbeit, verblüffend echt, erst auf den zweiten Blick wird der Betrachter sich der Täuschung bewusst.

Man spricht  dabei von einem so genannten Multikat, erklärt mir die Künstlerin  auf meine Nachfrage per Mail. Das bedeutet, es handle sich um ein Auflagenobjekt (Multiple) mit Unikatcharakter, da sie ja jedes Objekt einzeln herstelle. Neben den Feuerlöschern habe sie auch noch eine Reihe von Außenalarmanlagen gehäkelt. Auf die Frage, warum sie solche technischen Objekte darstelle, erklärt sie, dass es ihr dabei um das Phänomen der Attrappe gehe. Alarmanlagen gebe es ja häufig als Attrappen, so wie auch ihre Objekte stets Attrappen seien. Bei der Alarmanlage und dem Feuerlöscher gehe es ihr auch darum, dass viele Menschen bei einem Museumsbesuch verunsichert seien, was Kunst ist oder zum „Inventar“ gehöre.

Ich weiß, wovon sie spricht: Bei meinen Ausstellungsbesuchen mit Schülerinnen und Schülern gibt es immer wieder einige, die fasziniert vor den Klimamessgeräten verharren und diese interessanter finden als die eigentlichen Ausstellungsobjekte. Und ob das Kunst sei und was das zu bedeuten habe, wurde auch schon gefragt.

Als Patricia Waller vor einigen Jahren mit Ihren gehäkelten Werken eine ganze Etage in der Göhre füllte, war ich fasziniert von der Transformation der Dinge, mit der sie mich irritierte und  dadurch meine  Seh- und Denkmuster  in Frage gestellt wurden. Die Serie  der Prothesen zum Beispiel, die mich gleichzeitig zum Staunen, Schmunzeln und Schaudern brachte.

Aber zurück zu unserem Feuerlöscher.  Feuerlöscher gehören zur  Standartausstattung in öffentlichen Gebäuden, sie erinnern immer an die Gefahren, die durch einen Brand entstehen würden, geben aber auch das Gefühl der Sicherheit,  versprechen Rettung in höchster Not. Die Flammen im Keim ersticken, bevor Schlimmeres passiert. Sich selbst helfen können, bevor die Feuerwehr eintrifft.

Doch dieser Feuerlöscher ist nur einen Attrappe, gaukelt uns Sicherheit vor, verspricht mehr, als er halten kann. Ein Blender, Aufschneider und dabei so schön rot und weich.

Sicherheit, das wichtigste Wort seit dem Ausbruch von Corona. Wie sicher sind wir, was gibt uns Sicherheit, welche Sicherheiten gehen verloren…..

 In diesen Zeiten der Gefahr wünschte ich mir einen Feuerlöscher, mit dem  man die Viren einfach so auslöschen kann.

Die Werke von Patricia Waller erscheinen uns auf den ersten Blick als harmlose Häkelarbeiten, weil Häkeln so etwas anheimelndes  hat, der Topflappen, das Sofakissen aus Omas Zeiten. Aber auf den zweiten Blick, und dann plötzlich und unerwartet, treffen uns ihre Themen mitten ins Herz.

Zurzeit arbeitet Patricia Waller  immer noch an ihrer Serie „Innocent“.

Sie schrieb mir dazu:

„In den letzten Jahren habe ich versucht einprägsame Bilder für die Opfer von Kriegen, häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch und Hunger zu finden.

Es ist für mich genauso erschreckend wie erstaunlich, wie aktuell die Arbeiten sind und bleiben, auch wenn sie durch die aktuelle Lage etwas in den Hintergrund gerückt sind.“

 

Ein Besuch auf ihrer Webseite ist sehr zu empfehlen, es ist eine interessante Begegnung mit ihr, mit ihren Werken und vielleicht auch mit sich selbst.

http://www.patriciawaller.com/de/

Und wenn sie nun selber Lust aufs Häkeln bekommen haben, dann schauen Sie in unsere Kreativbox. Häkeln Sie für sich, für Ihre Liebsten oder für die Krankenschwestern, Ärzte oder Verkäuferinnen…

Und schicken Sie uns Ihre Fotos, wir sind gespannt auf Ihre kreativen Ideen. 
Mail an: einkunsthausfuerjena@gmx.de

 

Bleiben Sie gesund und kreativ,

das wünscht Ihnen

Ihre Heidrun Schrade

 

Patricia Waller

1962: geb. in Santiago, Chile

1968: Umzug nach Deutschland

1985-90: Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. O.H. Hajek, K. Fritsch, W. Pokorny, E. Wagner, H. Klingelhöller

1990: Diplom und Meisterschülerin

1993: DAAD-Stipendium Gent, Belgien

1995: einjähriges Auslandsstipendium, Columbia College, Chicago, USA

1999: Stipendium Cité Internationale des Arts, Paris, Frankreich

2002: Kunstpreis der Werner-Stober-Stiftung, Karlsruhe

2002-2004: Lehrauftrag für Skulptur, Hochschule für Gestaltung Pforzheim

2003-2004, 2007: Lehrauftrag an der Universität zu Köln, Institut für Kunst und Kunsttheorie, Abt. Textilgestaltung/Textilwissenschaft

2016: Lehrauftrag an der Universität Osnabrück, Institut für Kultur- und Sozialwissenschaften; Textilgestaltung

2016: Artist in Residence, Shanghai, China

lebt und arbeitet in Berlin.

KREATIVBOX n°3

Lassen Sie sich von der Häkelarbeit Feuerlöscher von Patricia Waller inspirieren und gestalten Sie selbst etwas aus Wolle!

Schicken Sie uns Bilder Ihrer Kunstwerke an einkunsthausfuerjena@gmx.de. Wir freuen uns sehr. Bitte vermerken Sie, ob wir Ihre Bilder auf unserer Homepage, auf Facebook und auf dem Plakat veröffentlichen dürfen.

 

Stricken und Häkeln ist in den letzten Jahren wieder groß in Mode gekommen, vor allem als Street Art macht es das  Stadtbild in vielerorts  bunter. Unter den Stichworten Urban Knitting und Guerilla Knitting findet man im Netzt zahlreiche kleine Videos:

Auch Häkelanleitungen gibt es im Netz reichlich. Deshalb hier auf unserer Seite nur ein paar Grundlageninfos. Die folgenden Anleitungen habe ich aus einem Handarbeitsbuch von Tchibo aus dem Jahre 1976 kopiert , dieses Buch hatte mir unsere Westverwandschaft geschickt und damit habe ich mir als 10jährige alle Handarbeitstechniken selber beigebracht.

Ich habe als Beispiel in Anlehnung an Patricia Waller eine Maske gehäkelt, weil Masken gerade in Jena nun zum Pflicht-Outfit gehören.  Interessant ist für mich beim Gang in den Supermarkt, wie kreativ die Leute die Maskenpflicht umsetzen. Allerdings fehlt mir vor allem ein wichtiger Teil der nonverbalen Kommunikation, weil unser Gesicht nicht mehr viel preisgeben kann von unserer Stimmung.

Auf dieses Defizit  möchte  ich mit meiner Maske Nr. 1 mit dem Titel „Verschenke ein Lächeln“ hinweisen.

Maske Nr. 2 hat den  Titel „Lockerung der Corona-Einschränkungen“ – hoffentlich bald!

Spaß macht es auch, sich einen Satz Hackysacks zum Jonglieren zu häkeln, am besten mit Noppen, damit sie den Abbildungen der Coranaviren möglichst ähnlich sehen. Und dann fleißig üben die zeitgemäße  „Corona-Jonglage“.


 

Aber auch Blumen als Dankeschön lassen sich einfach häkeln, der Fernseher, der uns ständig mit den neusten Nachrichten auf dem Laufenden hält oder die Menschen, die uns in der Krise mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ähnlich wie Playmobil immer neue aktuelle Figuren kreiert, könnte es eine Serie der Corona-Helden geben.

Wer hat Lust, etwas zu dieser Serie beizusteuern?

Auf der Webseite von Patricia Waller bekommt man Anregungen in Hülle und Fülle.

Viel Spaß beim Häkeln und bitte sendet uns die Fotos von euren  Werken zu, damit wir sie auf unserer Webseite veröffentlichen können. (Mail an: einkunsthausfuerjena@gmx.de)

Wir sind gespannt auf eure kreativen Ideen.

Heidrun Schrade

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